Fuck Your Fear, VAN HORN, Düsseldorf     2019,

Kuratiert von Daniela Steinfeld and Florian Peters-Messer

Künstler: Judith Bernstein, Sophie Calle, Gilbert & George, Zoe Leonard, Bjande Melgaard, Paul McCarthy, Gregor Schneider, Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans, Betty Tompkins

Genitalien, nackte Körper, Blut und Gewalt – Provokation als Mittel der Konfrontation und Kunst als Ort der Grenzüberschreitung. Wer legt die Grenzen fest? Muss die Kunst sie achten? Oder ist es gerade ihre Aufgabe sie zu überschreiten? In Zeiten von #metoo, identity politics und einem wiederkehrenden Puritanismus begegnet die
Ausstellung Fuck your Fear der aktuell erneut aufkommenden Tabuisierung und Zensierung von Sex und Geschlecht und blickt in eine Generation von Künstlern wie Betty Tompkins, Sophie Calle oder Paul McCarthy, die sich mit ihrer Arbeit bewusst an der Grenze zum Tabubruch bewegen und die vermeintliche "political correctness" aktueller Debatten konfrontieren.

Gegenwärtig existiert ein paradoxer Widerspruch aus Ermächtigung und Entmachtung innerhalb der Gesellschaft. Zwar gibt es endlich einen unmittelbaren und gemeinschaftlichen Kanal für Frauen, um Demütigungen patriarchaler
Konventionen (oder Schlimmerem) Einhalt zu gebieten, doch gleichzeitig wird auch das Mienenfeld der politischen Korrektheit immer größer. Egal, ob es um die weibliche Ermächtigung, die Befreiung des entsexualisierten und dadurch gesellschaftstauglich gemachten homosexuellen Mannes oder um den manchmal zu schnell erhobenen Sexismusvorwurf an das heterosexuelle männliche Geschlecht geht (der Frauen, sowie Männer zu Opfern werden lässt, die sie gar nicht sind) – die Angst vor Zuordnungen und ihren möglichen Konsequenzen führt zu Lähmungserscheinungen und einer immer größer aufflackernden Zensur im Miteinander.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten ab den späten 1960er Jahren, den 1980er und 1990er Jahren, bis hin zu aktuellen Positionen, die an eine Stimmung subversiver Radikalität und Befreiung in der Kunst dieser Jahre erinnern und gleichzeitig an das Heute anknüpfen. Wenn das Darstellen penetrierender Genitalien in den Fuck Paintings von Betty Tompkins keinen Sexismus intendiert, sondern eben diesen bekämpft, oder der gesellschaftlich degradierte, erigierte Penis bei Gregor Schneiders Man with cock verschämt mit verdecktem Kopf am Boden liegt, geraten Zuordnungen und Grenzen von Sex und Identität in ein Gegenmodell heutiger Mechanismen von Täter und Opfer.