Hiroshi Sugito   
connecting man no. 2, 2006, acrylic on Paper, 59 x 230 cm

Born 1970 in Nagoya (Japan)
Lives and works in Nagoya (Japan)

Wenn man sich Hiroshi Sugitos verspielte, rätselhaft verträumte Bilder ansieht, kann man sich kaum vorstellen, dass der Japaner fünf Jahre lang als Holzfäller in einer Berghütte gelebt hat. Doch in dieser Zeit Mitte der neunziger Jahre hat Sugito zu sich selbst gefunden. Als Dreijähriger war er mit seiner Familie in die USA emigriert, zehn Jahre später musste er wieder nach Japan zurück – und kam in ein Land, das ihm fremd war. Diese Fremdheit spricht auch aus seiner Malerei.

Hiroshi Sugitos zarte, semi-abstrakte Bilder haben eine tastende, suchende Handschrift. Sie erinnern an die Zeichnungen von Paul Klee, in denen ein vermeintlich naiver, kindlicher Unterton mitschwingt und gleichzeitig tief greifende philosophische Fragen anklingen. Ähnlich wie Klees Kompositionen schweben auch durch Sugitos Bilder zarte Linien, die den Bildraum wie Spinnweben definieren: mal beherrschen sie die Leinwand, mal geben sie ihr nur unterschwellig Halt. Dazwischen befinden sich oft minuziös gesetzte Figuren, die in ihrer Winzigkeit auf den ersten Blick wie Punkte oder Ornamente wirken. Dieses Spiel mit Abstraktion und Figuration ist Teil des surrealistischen Charakters von Sugitos Gemälden. Der Bildraum, eigentlich ein statischer Bereich, scheint durch solche illusorischen Effekte mobilisiert: winzige Kreuze entpuppen sich als Schmetterlinge, eine plane Grünfläche als Wiese, ein geometrisches Raster als eine Reihung aus Kuppeldächern. Doch entscheidend für das Flirren des Bildraums ist die aufgelöste Perspektive: Auf den Wiesen oder Gitterstrukturen finden sich wie in Kinderzeichnungen alle Motive nebeneinander oder nur leicht versetzt – Sugitos Landschaften haben dadurch stets etwas Schemenhaftes.

Dieses Spiel mit der Wahrnehmung ist zugleich ein Spiel mit einer archaischen Symbolik, wie sie sich in Türmen, Bäumen oder Himmeln verbirgt. Sugito kombiniert diese simplen Motive mit Fragmenten aus der modernen Gesellschaft: Immer wieder tauchen Flugzeuge, Raketen und Kriegsschiffe auf. In den sanften, fast meditativ aufgetragenen Pastelltönen, die auf die klassische japanische Maltechnik zurückgehen, wirkt die implizite Gefahr solcher Motive gebannt. Sugitos Welt, in der sich Tradition und Philosophie seiner Heimat mit Verweisen auf die abendländische Kunstgeschichte und Symbolen des globalen Zeitalters vermischen, wirkt wie ein Fenster zu einem traumartigen Innenleben. Dort ziehen Fragen, Andeutungen, Erinnerungen vorbei – aber keine klare Botschaft.